Marie vom Hof – Folge 5: Drei Wochen Gummibärchen zum Frühstück – bis Chantale mich in einen Swingerclub schleifte
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Es gibt eine Sorte Liebeskummer, über die keiner gern redet. Die, bei der man morgens nicht mehr aufsteht. Bei der die Kühe brüllen, weil das Melken zu spät kommt, und es einem egal ist. Genau da war ich. Und dann kam Chantale.
Meine dunkelste Phase – und das wildeste Wochenende meines Lebens. Ungeschönt.
Nach Hubert (und meinem voreilig gelöschten Profil) bin ich gefallen. Tief. Ich hab Gummibärchen zum Frühstück gegessen. Und Schokolade zum Mittag. Ich hab den Hof drei Wochen nicht verlassen, die Vorhänge zu, das Telefon aus. Meine 80 Kühe hab ich zu spät gefüttert. Bruno saß vor meinem Bett und winselte. Ich hab mich gehen lassen – und meine Tiere mit. Das tut mir bis heute am meisten weh.
„Du verkommst, Marie. Pack deine Tasche.“
Chantale ist meine beste Freundin. Fleischermeisterin, eins achtzig, lacht wie ein Mann und nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie stand an einem Freitag in meiner Küche, sah die leeren Tüten und sagte nur: „Schluss. Wochenende. Ich, du, und kein Bauer weit und breit.“
Erst Cocktails. Dann redete sie auf mich ein. Und dann, mit diesem Funkeln, das nichts Gutes bedeutet: „Ich kenn da was. Du musst mal an was ganz anderes denken.“ Sie meinte einen Club. Einen besonderen Club.
Wir haben uns extra Outfits gekauft
Ich sag’s, wie es war: Wir standen im Laden und ich hielt etwas aus Spitze in der Hand, bei dem ich nicht wusste, wo vorn und hinten ist. Ich sah aus wie eine Bäuerin, die sich als Femme fatale verkleidet. Chantale lag vor Lachen halb am Boden. Allein dafür hat sich der Abend schon gelohnt.
Was dann im Club passierte, behalte ich größtenteils für mich – das ist mein Geheimnis. Nur so viel: Es gab ein Paar, ein großes Zimmer, gedämpftes Licht. Und einen Moment, in dem mein Körper lauter Ja sagte, als er es seit Jahren getan hatte. Es war intensiv. Heftig. Ein Rausch.
Und am nächsten Morgen wusste ich es
Ich wachte auf, und der Rausch war weg. Was blieb, war eine Leere, die mich überraschte. Nicht Scham vor den anderen – mit niemandem ist etwas falsch, der so lebt. Sondern das klare Gefühl: Das bin nicht ich. Ich will keinen Rausch für eine Nacht. Ich will jemanden, der morgens neben mir die Kühe rausbringt. Ich will das Echte. Das Tiefe. Das, was bleibt.
Komisch, oder? Ich musste erst in einen Swingerclub fahren, um zu kapieren, was ich eigentlich suche. Ich fuhr nach Hause, streichelte Bruno, sah meinen Kühen beim Wiederkäuen zu und beschloss: Ich steh wieder auf.
Und dann, kaum war ich durch die Tür, leuchtete eine E-Mail auf meinem Handy. Absender: FarmerSingles. Betreff: „Wir vermissen dich, Marie – 20 % auf deinen Neustart.“ Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Was ich dann tat, erzähl ich dir in der nächsten Folge. Nur so viel: Er heißt Johannes. Und er ist Förster.
Marie vom Hof ist eine Kolumne über das Suchen, Scheitern und Hoffen auf dem Land – mit einem Augenzwinkern erzählt und einem ehrlichen Kern.

